Sieben Kommunen, darunter Nauheim, werden ab Januar 2020 ein neues Abfallkonzept erhalten. Der neue Dienstleister wird der
Abfallwirtschaftsverband Kreis Groß-Gerau (AWV) sein. Die Nauheimer Haushalte wurden kürzlich vom AWV angeschrieben und um ihre Meldung benötigter Mülltonnen gebeten. Die Abholzeiten für die Restmülltonne werden künftig von 26 auf 13 Abholtermine reduziert. Zusatztermine können zugekauft werden. Dazu kommen 26 Bio- und 13 Papierabfallleerungen als "Mindestpaket". Die Leerung der gelben Tonne bleibt unverändert.


Am 03.08.2019 verfasste CDU-Fraktionsvorsitzender Winfreid Rehm eine ergänzende weitere Stellungnahme:

Zu meinem Artikel vom 29.07.2019 (s.u.) zum Thema "Neue Abfallentsorgung ab Jan. 2020".

Ich glaube hier ist etwas Grundlegendes falsch verstanden worden, wobei ich bei der Mülldebatte und meiner Aussage bleibe, dass das Verursacherprinzip der richtige Weg ist.

Wir, die CDU bzw. meine Person, sind gegen jegliche Gebühren Erhöhung in der neuen Abfallentsorgung.
Dort, wo sich das alte System, z.B. die blaue Tonne für die Verwertung nicht mehr rechnet, weil die Kosten des Einsammelns und die weitere Bearbeitung, die Einnahmen nicht mehr decken, kommt eine kleine Gebühr auf die Bürger zu. Das  sollte allen klar sein. Sollten sich die Altpapierpreise wieder nach oben bewegen, wird die AWV uns sicherlich die Tonne wieder kostenfrei zur Verfügung stellen, bzw. die Einnahmen zu einer Gebührenreduzierung zuführen. 
 
Seitens des neuen Abfallwirtschaftsverbandes AWV war in der öffentlichen Kommunikation mit den einzelnen Kommunen keine Abstimmung  zu erkennen.

Auch seitens der Nauheimer-CDU sind wir mit der Informationspolitik der AWV mehr als unzufrieden. Wie aus allen beteiligten Kommunen zu hören war, sind alle Bürger über die Art und Weise mehr als empört gewesen. In wie weit auf unsere Verwaltung eine Mitschuld zutrifft, ist noch zu klären. Ich denke, hier sollten wir auf die Stellungnahme unseres Bürgermeisters warten.
Ich kann die Bedenken der Bürger gut verstehen, wenn es im Wesentlichen darum geht, nicht nur etwas Neues einzuführen, sondern auch das Versprechen gebrochen wird, dass es billiger wird. Ansonsten könnten wir ja bei dem alten System bleiben.
Auch Ich bin Bürger dieser Gemeinde. Als dieser sehe ich mich dazu verpflichtet, meine demokratische Pflicht nicht nur während der Wahlphase zu erfüllen, sondern auch dadurch auszuüben, dass ich mich für das Wohl der Bürger einsetze und auch meine Meinung sage, wenn mir etwas nicht passt.

Ich denke, die AWV sollte schleunigst mit allen Kommunen Termine finden, um eine öffentliche Informationsveranstaltung  abzuhalten.

Seitens der Kommunalpolitik und der Verwaltung brauchen wir ein dauerhaftes Bekenntnis, die Bürger automatisch mehr in Beratungsprozesse einzubeziehen.

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CDU-Fraktionsvorsitzender Winfried Rehm hatte zu diesem aktuellen Thema am 29.7.2019 folgende Stellungnahme verfasst:

Neues Chip-System ab 2020

Der Vorteil ist, dass bei der Kostenberechnung für die Haushalte neben der Größe des Abfallbehälters nur die Anzahl der beanspruchten Leerungen im Jahr berücksichtigt wird. Grundsätzlich ist das neue System mit dem Verursacherprinzip der richtige Weg.

Bei dem neuen Identsystem werden alle Leerungen der Rest- und Bioabfallbehälter elektronisch gezählt. Wer die Tonnen seltener zur Abfuhr bereitstellt, profitiert von einer geringeren Abfallgebühr, wer die Tonnen häufiger leeren lässt, zahlt mehr. Die Leerungen zählt ein kleiner elektronischer Chip. Früher war nicht alles besser, aber einfacher: Jeder hat dieselben Müllgebühren bezahlt – egal, ob er seine Tonnen prall oder sparsam gefüllt hat.

Das alte System war ein Solidarprinzip. Wir sind für ein Verursacherprinzip, das Sparsamkeit belohnt und die Verschwender ("Schlamper") bestraft. Somit hat künftig jeder Bürger selber Einfluss auf die Höhe seiner Müllgebühren, denn das neue System bietet Anreize zur Müllvermeidung und Mülltrennung.

Um keinen Anreiz für wilde Müllbeseitigungen zu liefern, aber auch aus hygienischen Gründen, werden mindestens 13 Leerungen pro Jahr berechnet, die daher auch in Anspruch genommen werden sollten. Das bedeutet, dass die Tonne mindestens bei jeder zweiten Abfuhr, also alle 28 Tage, zur Leerung herausgestellt werden sollte. Bei der Bio-Tonne sind jährlich 26 Leerungen vorgesehen. Es ist aber auch möglich, die schwarze Tonne weiterhin alle zwei Wochen leeren zu lassen, also bis zu 26 Mal im Jahr mit einer Zusatzgebühr je Leerung. Durch die Bereitstellung der kleinsten Tonnengröße 80L werden insbesondere Kleine- und Einpersonenhaushalte entlastet. Die jetzige Anzahl der Bio-Tonnen und der Selbstkompostierer bleibt nahezu unverändert.

Noch ein paar Anmerkungen zur Blauen Tonne. Insgesamt gesehen sind Altpapier-Preise stark konjunkturabhängig. Wenn die Nachfrage aus Fernost nachlässt, sinken die Preise. Die geringeren Einnahmen aus dem Verkauf von Altpapier, spielen im Zusammenhang mit den Gesamtkosten keine große Rolle. Das Altpapier bleibt nichtsdestotrotz wichtig für die Gebührenrechnung. Ich gehe davon aus, wenn sich die Altpapierpreise wieder nach oben orientieren, der Gewinn letztlich an die Bürger zurückfließt. Denn die Entsorgungsgebühren sind ein Baustein in der Gebührenrechnung.

Vorab sei gesagt, möchten wir keine konkreten Zahlen nennen, da der AWV selbst noch an den Gebührensätzen arbeitet.
Aus dem  Artikel der Grünen vom 27.07.2019 war zu lesen, dass alles teurer wird. Dem können wir so nicht zustimmen, das Ganze war mal wieder aus der Hüfte geschossen und hat nur die Bürger verunsichert. Gerade bei den Grünen sollte eher ein positives Verständnis laut werden, da hier das Verursacherprinzip im Vordergrund steht. Das heißt: Wer seinen Müll in Zukunft noch besser trennt, kann mehr Rohstoffe sichern und so selber und eigenverantwortlich bestimmen, was er an Müllgebühren zahlt.