C h r o n i k  des  C D U - Gemeindeverbandes Nauheim  ( Teil I )

Die CDU in der Gemeinde Nauheim

Noch bevor die CDU sich in Nauheim auf Ortsebene organisierte, das geschah 1947, hatte die Idee der Union in der Gemeinde bereits Fuß gefasst, denn immerhin konnte zur Kommunalwahl am 27. Januar 1946 ein Wahlvorschlag mit zehn Bewerbern vorgelegt werden. Gewählt wurden als Vertreter der CDU Michael Storck und Georg Lochmann. Ein Jahr später wird dann ein CDU-Ortsverband ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder waren Wilhelm Berz, Friedrich Jütte, Georg Lochmann, Josef Schwenger und Michael Storck. Geführt wird der junge Ortsverband von Wilhelm Berz.

Bei den Kommunalwahlen zwischen 1952 und 1968 lässt die CDU sich auf den Versuch ein, die Kräfte des bürgerlichen Lagers durch Listenverbindungen zu stärken. Der Vorsprung der SPD kann damit jedoch nicht aufgehoben werden. Es wird auch die Erfahrung gemacht, dass solche Bündnisse nicht problemlos sind, wenn es darum geht, in Fraktion und Gemeindevorstand Führungspositionen zu besetzen. Ein Neuanfang in zweifacher Hinsicht war die Kommunalwahl 1968. Zum einen trat die CDU wieder mit einer eigenen Liste auf, zum anderen wurden durch neue Namen wie Franz Honheiser, Franz Maier und Otto Habermann auch neue Wählerschichten angesprochen. Die Wahl verlief für die CDU erfolgreich, sie erhielt 8 Sitze, nur einen Sitz weniger als die SPD.

Vier Jahre vor dieser Wahl vollzog die CDU im Gemeindevorstand einen Wachwechsel. Der langjährige Beigeordnete und Mitbegründer der Nauheimer CDU, Wilhelm Berz, trat zugunsten von Hans Förster zurück, der von da an die Geschicke der Nauheimer CDU maßgebend mitbestimmte. Politik, zumal die lokale, wo sich die Dinge und Personen auf engem Raum stoßen, führt zuweilen auch zu Rivalitäten. Sie sind umso einschneidender, je stärker die handelnden Personen sind. Auch die Nauheimer CDU kann sich davon nicht ganz freihalten. In dieser Chronik mag es mit der Erwähnung dieses Sachverhalts sein Bewenden haben. Es kam zu Veränderungen in der Fraktions- und Parteiführung. Gleiche Probleme hatte übrigens auch die Nauheimer SPD, die sich in diesen Jahren wiederholt von ihrem jeweiligen Bürgermeister trennte. Namen, die in der Geschichte der Nauheimer CDU eine Rolle spielten, sei es als Partei- oder Fraktionsvorsitzende, sind Manfred Dörfler, Franz Honheiser, Siegfried Lang, Dieter Schasiepen, Otti Geschka, Siegfried Lösel, Ortwin Lempert, Georg Fongern und Hannelore Bauer. Seit November 1989 wurde die Nauheimer CDU von Hans Joachim Brugger geführt.

Ihren bisher größten kommunalpolitischen Erfolg errang die Nauheimer CDU 1977. Sie ging aus dieser Wahl als stärkste Partei hervor und stellt mit Jürgen Renner erstmals den Gemeindevertretervorsteher. Bei der letzten Kommunalwahl am 7. März 1993 konnte die CDU die Verluste bei den zurückliegenden Jahren wieder aufholen. Sie gewann 4,6 % hinzu und stellt mit 12 Gemeindevertretern die zweitstärkste Fraktion. Vorsitzender ist Peter Ziemainz.

Spektakulärstes Ereignis in der Geschichte der Nauheimer CDU war die Direktwahl des Bürgermeisters. Konnte der Ende Januar 1993 von der Mitgliederversammlung der CDU nominierte Regierungsdirektor Helmut Fischer bereits im ersten Wahlgang 39,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, während 35,4 % für den Kandidaten der SPD stimmten, so entschieden sich in der Stichwahl am 6. Juni 1993 58,1 % der Wähler für Helmut Fischer, der damit seinen sozialdemokratischen Mitbewerber Klaus Pape, auf den 41,9 % der Stimmen entfielen, weit hinter sich ließ. Fischer wurde am 2.7.1993 als erster direkt gewählter Bürgermeister in sein Amt eingeführt.

Nach zwölfjähriger Amtszeit stellte er sich im Jahre 2005 nicht mehr zur Wahl. Vorgeschlagen als CDU-Bewerber wurde CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Ziemainz. Er konnte sich jedoch gegen den SPD-Kandidaten Ingo Waltz aus Mörfelden in der Stichwahl nicht durchsetzen. Nach 18 Jahren als Parteivorsitzender kandidierte Hans Joachim Brugger 2007 nicht mehr für dieses Amt. Mit Judith Nientied wurde erstmals eine Frau Vorsitzende der Nauheimer Union.

Im Jahre 2011 konnte sich bei der Bürgermeisterwahl mit fünf Bewerbern der CDU-Kandidat Jan Fischer (32) in der Stichwahl gegen Wolfgang Glotzbach (SPD) mit 64,2 % durchsetzen. Jan Fischer ist der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters Helmut Fischer.

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1945

Mit der Proklamation Nr. 2 verkündet General Eisenhower am 19.9. die Gründung des Landes Groß-Hessen.
Nauheim hat im Dezember 2.772 Einwohner und 1.553 wahlberechtigte Bürger. Bürgermeister ist Fritz Förster (KPD).

1946

Zu den ersten freien Gemeindevertreterwahlen am 27.1. reicht die CDU einen Wahlvorschlag mit zehn Bewerbern ein. Es werden Michael Storck  (Landwirt) und Georg Lochmann (Schlosser) gewählt, für die SPD Heinrich Kaul, Friedrich Daum, Georg Schad, Philipp Poth und Georg Diehl; die KPD erhält kein Mandat.
Zum Bürgermeister wird Heinrich Kaul IV. (15.2.) gewählt, der sich besonders für die Ansiedlung von Musikinstrumentenbetriebe einsetzt.
Bei Volksentscheid und Landtagswahl am 1.12. erzielt die CDU 405, SPD 918, KPD 208 und LDP 97 Stimmen.
Die ersten Vertriebenen aus dem Sudetenland siedeln sich an.

1947

Am 6.1. wird die erste gewählte Regierung des Landes aus CDU und SPD gebildet.
In Groß-Gerau findet die Gründungsversammlung der Nauheimer CDU mit Wilhelm Berz, Friedrich Jütte, Georg Lochmann, Josef Schwenger und Michael Storck statt. Wilhelm Berz ist der erste Vorsitzende der Nauheimer CDU.


1948

Für die Gemeindewahl am 25.4. legt die CDU einen Wahlvorschlag mit zwölf Bewerbern vor. Sie bekommt 28 % und es sind gewählt: Georg Wilhelm Mischlich (Landwirt), Hubert Jörka (Betriebsleiter), Christian Nink (Reichsbahninspektor i.R.), Josef Schwenger (Mechaniker).
Bürgermeister wird am 9.6. Georg Schad (SPD).
Währungsreform am 20.6.

1949

Verabschiedung des Grundgesetzes am 23.5.
Bei der Wahl zum ersten Bundestag am 14.8. bekommt die CDU in Nauheim 306 Stimmen, die auf Alois Marx entfallen. Es erhalten SPD 943, FDP 519 und KPD 191 Stimmen.
Konrad Adenauer (CDU) wird erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

1950

Müllabfuhreinführung in Nauheim.
Bei der Landtagswahl kommt die CDU auf 237 (13,4 %) Stim-men, SPD 55,3 %, FDP 24 %.

1951

In 612 Häusern wohnen 3978 Einwohner.
27.10. Bezug des Schulneubaus mit vier Schulsälen, Lehrmittelräumen und Volksbad im Keller.
1100-Jahr-Feier der Gemeinde Nauheim.

1952

Zur Gemeindevertreterwahl am 4.5. reicht die CDU einen Wahlvorschlag als "Freie Wählervereinigung" mit 20 Kandidaten ein und bekommt 22,3 % der Stimmen. Als Gemeindever-treter sind somit gewählt: Michael Storck (Ortslandwirt), Adam Diehl (Arbeiter) und Thomas Brodrecht (Drogist).
Die SPD erhält 53,7 % und neun von 15 Sitzen.
In Hessen wird die Magistratsverfassung eingeführt.
Die Friedhofshalle wird erbaut.

1953

Bei der Bundestagswahl bekommt die CDU in Nauheim bei den Zweitstimmen 27,3 %, SPD 45,4 %.

1954

Bei der Landtagswahl kandidiert im Kreis Groß-Gerau für die CDU Jakob Marx (Rüsselsheim); in Nauheim werden 18 % erreicht. Die SPD erhält 49 % und die FDP 18,2 %.

Das Gebiet "Unter der Muschel" wird bebaut und es entsteht der Kindergarten "Schillerstraße".

1955

Baubeginn der kath. Kirche "St.Jakobus".

1956

Baubeginn des zweiten Sportplatzes.
Bei der Gemeindevertreterwahl am 28.10. tritt die CDU mit BHE und Unabhängige als "Ortsgemeinschaft Nauheim" an und erzielt fünf, SPD acht und FDP zwei Sitze. Für die OGN sind dies Michael Storck, Adam Sünner (Angestellter), Gerald Thiele (Kaufm. Angest.), Adam Lochhaas (Schleifer) und Fritz Jütte (Landwirt).

1957

Zur Bundestagswahl fallen in Nauheim 39,1 % der Stimmen auf die  CDU; die SPD bekommt 46,1 %, FDP 6,7 %.
Das Baugebiet "Am Weiher" wird bereitgestellt.
Die Nauheimer Musikindustrie feiert ihr 10-jähriges Bestehen.

1958

Nauheim zählt 5.000 Einwohner.
17.5. Grundsteinlegung für das Rathaus in der Weingartenstraße.
Jakob Marx kann in Nauheim bei der Landtagswahl für die CDU 30 % erringen; SPD 53,4 %, FDP 5,9 %.
Fertigstellung der Jahnturnhalle am Sportfeld.
In Nauheim wurden 34.967 Obstbäume gezählt; der Höchststand nach dem II. Weltkrieg.

1959

Das neue Rathaus in der Weingartenstraße wird seiner Bestimmung übergeben.

1960

Kommunalwahlergebnis bei einer Listenverbindung mit der FDP als Ortsgemeinschaft Nauheim (OGN) 30,5 %, die folgende Gemeindevertreter stellt: Adam Lochhaas, Adam Sün-ner, Fritz Jütte, Heinz Kaul, Heinrich Hof, Alwin Geyer. Beigeordneter wird Wilhelm Berz (CDU). Die SPD erhält 54,4 % und der BHE 15 %.
Baulandumlegung "Schleifweg" und "Wüste Wiese".

 Zur CDU-Chronik Teil 2
Chronik Teil 2